Herzschwäche gehört zu den häufigsten und tödlichsten Volkskrankheiten. Derzeit, schätzen Experten, leiden mehr als 350.000 Menschen, vor allem ältere, in Deutschland darunter, dass die Leistung des Organs nachlässt. Das Kieler Uni-Klinikum hat jetzt, als alle üblichen Mittel nicht mehr halfen, als erstes Krankenhaus in Schleswig-Holstein eine neue Therapie aus den USA angewandt. Mit Erfolg.

 

Die Operation gilt als Durchbruch: Spezialisten in der Kieler Uni-Klinik für Innere Medizin III setzten einer schwer kranken Patientin ein Implantat eines sogenannten Baroreflex-Modulators ein – die Elektroden wurden nicht am Herzen, sondern an der Halsschlagader genäht. Denn dort befindet sich die Schaltzentrale, die die Ausschüttung von Stresshormonen steuert. Das Implantat, von der Größe und Art her vergleichbar mit einem Schrittmacher, stimuliert die Nerven.

Bei Vorstudien, teilte das Uni-Klinikum mit, hatte das neue Verfahren Patienten mit hohem Blutdruck bereits helfen können, ihre Werte deutlich zu verringern. Je mehr Stresshormone, desto größer das Risiko, dass sich die Herzschwäche verschlimmert – und das trotz optimaler medikamentöser Therapie. Die neue Methode kann nicht nur die Ausschüttung von Stresshormonen drosseln, sondern als Folge davon auch die Einnahme von Medikamenten, ist der Kieler Herzrhythmus-Spezialist Prof. Hendrik Bonnemeier überzeugt.

Im Rahmen einer weltweiten Studie wurde das Kieler Team ausgewählt, das Verfahren als Studienzentrum zu testen. Bonnemeier beschäftige sich bereits seit Jahren wissenschaftlich mit den Auswirkungen von Störungen des vegetativen Nervensystems bei Patienten mit Herzrhythmus-Störungen, bei Schwäche oder nach einem Infarkt, teilte das Klinikum mit.

Der vom Team um Bonnemeier operierten Patientin, die bereits unter schwerer Atemnot litt, geht es nach Angaben des Klinikums jetzt in der Reha deutlich besser. Der Eingriff bei einer leichten Vollnarkose dauerte 90 Minuten.

Weit mehr als 1.000 Herzkranke behandeln die Kieler Spezialisten am Uni-Klinikum im Jahr. Drei- bis fünfmal im Jahr müssen die Patienten zur Untersuchung bzw. Behandlung ins Krankenhaus, mehrmals täglich müssen sie Medikamente einnehmen, um Bluthochdruck zu senken und die Durchblutung zu verbessern. Je nach Erkrankungsart kommen spezielle Schrittmacher oder Defibrillatoren zum Einsatz. Allerdings verhindern diese Geräte nur Rhythmusstörungen, so Bonnemeier: Das Klinikum wolle jedoch helfen, die Leistung und Lebensqualität zu steigern. Die Baroreflex-Modulation sei vor diesem Hintergrund eine weitere, „effektive und elegante, individuelle Behandlungsoption für unsere Herzinsuffizienz-Patienten“, dämpft der 41-jährige Kieler Leiter für Elektrophysiologie und Rhythmologie aber allzu überzogene Erwartungen. Denn das Implantat kann nur Kranken helfen, deren Herzen noch synchron pumpen und bei denen die Medikamente nicht mehr anschlagen. Ihnen konnte man bisher kaum eine andere Therapie anbieten. Wurden die Beschwerden zu groß, blieb oft nur noch der Einsatz eines Kunstherzens.

Quelle und Copyright: Kieler Nachrichten, Martina Drexler; Copyright Foto: UKSH

Prof. Dr. med. Hendrik Bonnemeier ist Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Herz und Kreislauf in Schleswig-Holstein e.V.