Projekte
Aha!
Übergewicht - ein (ge)wichtiges Thema
Deutschland ist Europameister!
Diese Feststellung trifft leider nur in einer Disziplin zu, die nicht unbedingt das Renommee der Deutschen verbessert.
Die Deutschen sind die dicksten Europäer!
Zielstrebig und mit der ihnen eigenen Gründlichkeit bemühen sie sich sogar die Amerikaner in puncto Fettleibigkeit zu überholen.
Laut der Ergebnisse der Nationalen Verzehrstudie II (www.bmelv.de) sind 66% der Männer und 50,6% der Frauen in der Bundesrepublik übergewichtig oder Adipös.
Als übergewichtig wird eine Person mit einem BMI (ermittelt aus kg dividiert durch Körpergröße in Metern zum Quadrat) von mehr als 25 kg/m² bezeichnet, das entspricht einem Gewicht von mehr als 76,5 kg bei einer Körpergröße von 1,75 m. Erreicht dieselbe Person ein Gewicht von mehr als 91,8 kg, so wird sie als Adipös oder Fettleibig beschrieben. Eine besondere Bedeutung wird dabei der Fettverteilung zugeschrieben, deshalb muß der übermäßige Taillenumfang als eigenständiger Risikofaktor angesehen werden (der Bauchumfang bei Frauen sollte nicht mehr als 80 cm und bei Männern 94 cm betragen). Schönheitsideal und kosmetische Aspekte spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle,
das Bauchfett, nicht zu Verwechseln mit dem Unterhautfettgewebe, sondert bestimmte Entzündungsstoffe ab, die das Risiko für Insulinresistenz, Diabetes und Arteriosklerose erhöhen.
Überträgt man die Zahlen amerikanischer Untersuchungen auf Deutschland, muß davon ausgegangen werden, daß die durch Adipositas und Folgeerkrankungen bedingte Todesrate in der Größenordnung der jährlichen Todesfälle, die durch das Rauchen und Folgeerkrankungen verursacht werden, liegt, das wären jeweils ca. 110.000 – 140.000 (bei insgesamt 827.155 Sterbefällen in 2007). Hinzu kommen eine Vielzahl von Adipositas bedingten chronischen Erkrankungen, die nicht nur zu einer in absehbarer Zeit untragbaren Kostenlawine führen, sondern für die Betroffenen eine dramatische Einschränkung der Lebensqualität bedeuten.
Diese, im wahrsten Sinne stetig zunehmende Entwicklung stellt eines der größten gesundheitlichen Probleme dar, mit der unsere Gesellschaft heute schon konfrontiert ist.
Übergewicht stellt ein besonderes Risiko für hohen Blutdruck, Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauferkrankungen, orthopädische Schäden, Demenz und Krebs dar. Hoher Blutdruck und Diabetes sind zusätzlich ein Risiko für die Entwicklung von Herz-Kreislauferkrankungen, dabei haben Frauen mit Diabetes eine besonders gute Chance eine koronare Herzerkrankung zu entwickeln bzw. einen Herzinfarkt zu erleiden.
Eine herausragende Stellung als Folge von Übergewicht und Adipositas nimmt der Diabetes mellitus Typ 2 ein, früher auch als Altersdiabetes bekannt, sind heute allerdings ebenso adipöse Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. Schätzungen gehen davon aus, daß bis zu 10% der deutschen Bevölkerung an Diabetes erkrankt sind, mit steigender Tendenz und sehr viele, die bereits erkrankt sind, noch nichts davon wissen. Oft wird die Diagnose Diabetes erst gestellt, wenn bereits Folgeerkrankungen auftreten, die dann eine außerordentlich ungünstige Prognose haben, wie z.B. Herzinfarkt, Nervenschäden, Schädigung der Augen und der Nieren, diabetisches Fußsyndrom bis hin zur Amputation.
Aber, Diabetes mellitus Typ II ist vermeidbar!
Die Vorbeugung ist einfach, hält gesund und verhilft zu einer Verbesserung der Lebensqualität und des allgemeinen Wohlbefindens.
Mit einer gezielten Aktion will die Landesarbeitsgemeinschaft Herz und Kreislauf in Schleswig-Holstein e.V. (LAG) deshalb diesen Präventionsgedanken den ihr angeschlossenen Herzgruppen vermitteln. Bei den über 3.000 Teilnehmern in den schleswig-holsteinischen Herzgruppen muß davon ausgegangen werden, daß mindestens die Hälfte übergewichtig bis adipös ist.
„Aha! ab heute anders“, ein Diabetes Präventions-Programm, das von dem Schleswiger Diabetologen Dr. med. Carsten Petersen entwickelt und bereits im Bereich Schleswig-Flensburg als Modellversuch erfolgreich durchgeführt wurde, soll allen Teilnehmern in den Herzgruppen angeboten und über 12 Wochen von der LAG begleitet und ausgewertet werden.
Eckpfeiler dieses Programms sind eine gesunde Ernährung und ein selbstbestimmtes Mehr an Bewegung. Dabei geht es nicht um eine kurzfristige Diät oder nicht altersgerechte sportliche Aktivitäten, sondern um eine dauerhafte Lebensstiländerung, die gerade für Menschen mit Herzerkrankungen lebenserhaltend sein kann. So haben z.B. Untersuchungen bestätigt, daß ein angemessenes Bewegungsverhalten genetischen Faktoren, die gern zur Rechtfertigung von Übergewicht mißbraucht werden, überlegen ist.
Als besonders vorteilhaft für die Herzgruppenteilnehmer wird die direkte persönliche Unterstützung und Beratung durch die betreuenden Ärzte und Bewegungstherapeuten in den Gruppen angesehen.
Für einen Eigenbeitrag von 10.- EUR erhalten alle interessierten Herzpatienten ein Set bestehend aus einem Risikofragebogen, einer Chipliste mit empfehlenswerten und ungünstigen Nahrungsmitteln, ein Bewegungs- und Verzehrtagebuch sowie einen Schrittzähler. Das Programm setzt voraus, daß die Teilnehmer eigenverantwortlich zunächst ihr persönliches Risiko für einen Diabetes anhand eines einfachen Fragebogens ermitteln, Gewicht und Bauchumfang selbstkritisch feststellen und ihr Wunschgewicht realistisch festlegen. Als Bestärkung für die Teilnahme und eine zu verwirklichende Gewichtsabnahme mag die Erkenntnis dienen, daß bereits eine Gewichtsabnahme von nur 5-7 % das Diabetes Risiko um die Hälfte senkt und ein weiterer Gewichtsverlust von zusätzlich drei Kilo, eine weitere Halbierung des Risikos bewirken!
Mittels der Chipliste kann die tägliche Nahrungsaufnahme ermittelt und mit dem Schrittzähler die täglich erreichte Schrittzahl dokumentiert werden. Wöchentlich soll das Gewicht und der Bauchumfang gemessen werden. Empfohlen wird eine Begrenzung der Nahrungsaufnahme auf max. 20 Chips (à 100 kcal) der empfohlenen Nahrungsmittel bzw. eine Reduzierung der Nahrungsmenge, also „Verbrauch“ von weniger als 20 Chips, um eine wirkungsvollere Gewichtsabnahme zu erreichen. Die Beherzigung dieser sehr einfachen Ernährungstips, die nur mit geringfügigen Änderungen der Verzehrgewohnheiten einzuhalten sind, können erstaunliche Wirkungen erzielen, s.u. Der Schrittzähler stellt ein technisches Hilfsmittel dar, das objektiv das individuelle Bewegungsverhalten ermittelt. Empfohlen werden mindestens 5.000 bis 10.000 Schritte täglich, z. B. als flotter Spaziergang von 30-60 Min.
Mit einer Erhebung von Eingangsdaten und den Ergebnissen nach 12 Wochen (Gewicht, Bauchumfang und evtl. einigen Blutwerten), möchte die LAG nachweisen, daß auch mit kostengünstigen Interventionen gewünschte Wirkungen erzielt werden können. Selbstverständlich kann und sollte das Programm über die 12 Wochen hinaus von den Teilnehmern durchgeführt werden, die LAG wird als Ansprechpartner auf jeden Fall auch weiterhin zur Verfügung stehen.
Für Interessierte, die keiner Herzgruppe angehören, steht wie bisher das aha! Büro in Schleswig zur Verfügung, weitere Informationen sind im Internet unter www.ab-heute-anders.de zu finden. Kontakt-Adresse
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
.
Erhofft wird von der LAG ein ebenso beeindruckendes Ergebnis wie es Dr. Petersen mit seinem Modellprojekt erreicht hat. So wurden, hochgerechnet auf 1.000 Teilnehmer rund 4,5 Tonnen Fett und 48 Meter Taillenumfang innerhalb von 8 Wochen abgebaut!
Ein weiterer wichtiger Effekt war die Ermittlung bereits bestehender Diabetes-Erkrankungen oder dessen Vorstufe mittels der wenigen Fragen des Risikotests.
Leben ist Bewegung, wer diesen Grundsatz beherzigt kann nachhaltig sein Gewicht reduzieren und in Verbindung mit einer ausgewogenen Ernährung seine Gesundheit erhalten, verbessern und stabilisieren.
Weitere Informationen für Patienten der Herzgruppen erteilt die LAG.
© herzintakt | Landesarbeitsgemeinschaft Herz und Kreislauf in Schleswig-Holstein e.V.
Designed by i-cons.